54. bak-Seminartag – virtuell

Lehrerbildung zukunftsfähig ausrichten – Vorbereitungsdienst zeitgemäß gestalten

virtuell

13. November 2020

10 €

für Mitglieder des bak

Anmeldeschluss: 01.10.2020

30 €

für Nichtmitglieder

Jetzt Mitglied werden

Allgemeine Infos

Der 54. Seminartag des bak Lehrerbildung ist ungewöhnlich. Treffen wir uns doch eigentlich immer im Herbst für vier Tage um länderübergreifend Impulse für die Entwicklung der zweiten Phase der Lehrerbildung zu setzen. Aufgrund der aktuellen Lage ist dies in diesem Jahr nicht möglich. Dennoch möchte der bak seiner Tradition treu bleiben und nun auf einem anderen Weg versuchen, auch in diesem Jahr innovative Anregungen für die Ausbildung von Lehrer*innen zu initiieren.

Am „virtuellen“ Seminartag werden zu bestimmten Zeiten ausgewählte Videos präsentiert, zeitgleich die Möglichkeit geschaffen via Twitter in eine Diskussion zum Thema zu gehen. Zum Abschluss des Tages wird es eine Online-Diskussion u.a. mit Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist geben. Die Videos werden für Mitglieder später im internen Bereich der bak-Homepage weiter abrufbar sein.

Parallel zum Videoangebot besteht die Möglichkeit, am 13. und 14.11.2020 kostenfrei auf das gesamte Programm der Online-Fortbildungen der Lernplattform FOBIZZ als Flatrate zuzugreifen.

Programm

10:00

Prof. Dr. Frank J. Müller

Das Rad nicht ständig neu erfinden – Inklusive freie Bildungsmaterialien im Kontext der zweiten Phase der Lehrer*innenbildung – Kooperation systematisch fördern

Im Rahmen des Beitrags wird das besondere Potential von Open Educational Resources (OER) für die inklusive Schule beleuchtet. Am Beispiel konkreter Unterrichtsmaterialien wird verdeutlicht, warum OER durch ihre rechtliche Konzeption besser geeignet sind, um der Vielfalt der Schüler*innen gerecht zu werden als herkömmliche Materialien. Welche besonderen Anforderungen an OER gestellt werden, wenn sie im gemeinsamen Unterricht eingesetzt werden und welchen Beitrag sie zu einer verbesserten Zugänglichkeit leisten können, wird ebenfalls aufgegriffen. OER bieten dabei die Chance, gleichermaßen digitale oder analoge Angebote im Sinne der Schüler*innen zu konzipieren.

Davon ausgehend wird aufgezeigt, wie bereits in der zweiten Phase der Lehrer*innenbildung eine systematische schulübergreifende Kooperation stattfinden und auf vorhandenem Material rechtssicher aufgebaut werden kann. Freie Bildungsmaterialien können dabei gleichzeitig als Gegenstand und Methode in der zweiten Phase genutzt werden. Der Vorbereitungsdienst bietet dabei besonderes Potential, um angehende Fachkolleg*innen an die gemeinsame (Weiter-)Entwicklung von Inhalten heranzuführen und die gemeinsame Reflexion des Einsatzes.

Neben dem Einsatz von OER durch die Lehramtsanwärter*innen wird an Hand von Beispielen aufgezeigt, wie OER für die Arbeit mit den angehenden Lehrkräften selbst genutzt werden können.

Abschließend wird an Hand des norwegischen Beispiels NDLA dargestellt, welches Potential eine staatliche Plattform für OER für die Weiterentwicklung von Lernprozessen hat.

10:45

Prof. Dr. Christian Fischer

Diagnosebasierte Individuelle Förderung – Adaptive Formate selbstregulierten Lernens

Im Hinblick auf ein zukunftsfähiges Schulsystem gewinnen adaptive Formate des selbstregulierten Lernens als Voraussetzung für erfolgreiche lebenslange Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern zunehmend an Bedeutung. Wesentliche Gelingensbedingungen dafür sind das Erkennen und Fördern von Schülerinnen und Schülern in ihren unterschiedlichen Lernausgangslagen im Sinne einer diagnosebasierten individualisierten Förderung. Im Rahmen der individuellen Lernbegleitung kann dann etwa unterstützt durch den Einsatz von effektiven Lernstrategien die Verantwortung für den Lernprozess schrittweise von dem Lehrenden auf den Lernenden nach dem Scaffolding-Prinzip übertragen werden.

Derartige adaptive Förderformate können zu einer nachhaltigen Bildung im schulischen Kontext beitragen; setzten jedoch eine adäquate Professionalisierung von Lehrpersonen mit einem Schwerpunkt auf adaptive Lehrkompetenzen voraus. Dazu bedarf es in der Lehrerbildung der gezielten Vermittlung von fachlichen, diagnostischen, didaktischen und kommunikativen Kompetenzen, wobei die professionelle pädagogische Haltung als Querlage fungiert. In diesem Beitrag sollen neben adaptiven Förderformaten für Schülerinnen und Schülern auch adäquate Professionalisierungskonzepte für (angehende) Lehrpersonen im Rahmen der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung mit einem besonderen Fokus auf den Vorbereitungsdienst diskutiert werden.

11:30

Ulrich Ballhausen

Der MOOC Demokratiebildung in der Schule: ein digitales Fortbildungsangebot in der zweiten Phase der Lehrer*innenbildung

Die Demokratie ist nicht nur eine Regierungsform, sie ist auch eine Gesellschaft- und Lebensform, die von jeder Generation immer wieder neu gelernt, verteidigt und weiterentwickelt werden muss. Bei der Entwicklung und Förderung demokratischer Einstellungen und Kompetenzen kommt der Schule zwar nicht die alleinige, aber eine zentrale Aufgabe zu und deshalb wundert es nicht, dass die Demokratiebildung zum Kernauftrag der Schule gehört, sie Querschnittsaufgabe aller Fächer ist und sie sich auch als Unterrichtsprinzip niederschlagen sollte. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen und zahlreicher Infragestellungen der Demokratie und demokratischer Prozesse hat die Demokratiebildung in, mit und durch die Schule in den letzten Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren. Dieser Bedeutungszuwachs schlägt sich allerdings (noch) nicht in angemessener Form in den Phasen der Lehramtsausbildung und/oder entsprechenden Fortbildungsangeboten für Lehrerinnen und Lehrer nieder.

Da die Schule und die in ihr wirkenden Personen aber eine Schlüsselfunktion im Rahmen der Demokratiebildung haben, bedarf es einer intensivierten Strategie und evtl. auch neuer Formate zur Verankerung der Demokratiebildung in der Aus- und Fortbildung. Der Massive Open Online Course (MOOC) „Citizenship Education – Demokratiebildung in Schulen“ ist ein von der Leibniz Universität in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung entwickeltes kostenloses, offenes und digitales Fortbildungsangebot, das sich an all diejenigen richtet, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie Schulen dazu beitragen können, jungen Menschen demokratische Orientierungs-, Urteils- und Handlungskompetenzen zu vermitteln.

12:15

Dr. Timo Nolle

Selbstwirksamkeit entwickeln – Verantwortung übernehmen: Beratungselemente im zeitgemäßen Vorbereitungsdienst

Von Referendar*innen wird erwartet, dass sie in einem hierarchischen Abhängigkeitsverhältnis lernen, selbstbewusst und in eigener Verantwortung zu unterrichten - ein klassischer Double-Bind, in welchem bekanntermaßen leicht Konflikte und Missverständnisse auftreten können. In einer von mir und Kolleginnen durchgeführten Studie (2020) konnten wir zeigen, dass der Selbstwirksamkeitserwartung der Referendar*innen eine zentrale Rolle zu kommt. Ob die Ausbildung als Lerngelegenheit oder als reine Prüfungssituation wahrgenommen wird hängt entscheidend von der Selbstwirksamkeitserwartung der Referendar*innen und nur zu einem kleinen Teil von den Ausbildungsbeauftragten (ABA) ab. Dies liegt vermutlich u.a. daran, dass nur die ABAs und Mentor*innen für die Unterrichtsnachbesprechungen und Beratungen professionalisiert werden. Ähnlich einem Paartanz reicht es aber nicht aus, wenn nur eine/r der Tänzer*innen die Tanzschritte lernt. Auch den Referendar*innen sollte als aktiver Part der ko-konstruktiven Ausbildung mehr Verantwortung und Kompetenz für das Gelingen übertragen werden.

Im Vortrag werden Beratungs- und Lehrelemente vorgestellt, mit denen Referendar*innen ihren Lernprozess und die komplexen Beziehungskonstellationen selbstbestimmt reflektieren und gestalten können.

13:00

Dr. Benedikt Wisniewski

Dialog über Unterricht in der zweiten Phase der Lehrerbildung mit dem Tool FeedbackSchule

Feedback ist eine elementare Voraussetzung professioneller Berufsausübung. Erhaltenes Feedback dient gerade Berufsanfänger*innen dazu, das eigene berufliche Handeln im Abgleich mit einer Außenperspektive zu reflektieren und anzupassen. Eine Selbstreflexion, die sich aus einem Diskurs über eigene Erfahrungen und externe Wahrnehmungen ergibt und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit einbezieht, bildet den Kern pädagogische Professionalisierung.

Da Lehramtsanwärter*innen in der zweiten Phase der Lehrerbildung einen Großteil des Feedbacks von den Lehrpersonen, die sie ausbilden, erhalten, ist das Geben von fundiertem Feedback unter Berücksichtigung valider Modelle von Unterrichtsqualität eine Kernaufgabe von Lehrerbildner*innen. Eine zusätzliche Perspektive in Form der Rückmeldungen der Schüler*innen kann die Lehrerbildner*innenperspektive sinnvoll ergänzen.

In diesem Videobeitrag wird gezeigt, wie mit Hilfe des Tools FeedbackSchule ein wissenschaftlich fundierter Diskurs über Unterricht initiiert werden kann. Dabei wird thematisiert, wodurch sich hilfreiches Feedback auszeichnet, wie Merkmale von Unterrichtsqualität reliabel und valide erfasst werden können und wie Lehramtsanwärter*innen beim Umgang mit Feedback unterstützt werden können. Zusätzlich wird ein Instrument zum Einholen von Feedback durch Lehrerbildner*innen in Bezug auf ihre eigene Tätigkeit vorgestellt.

14:00

Katja Kober, Dr. Volker Kreß

Erfahrung schlägt Belehrung: Ein Seminarkonzept zur Ausbildung beruflicher Kompetenzen in der zweiten Phase der Lehrerbildung

Die Frage, wie das von Lehramtsanwärtern und Mentoren/Praxisanleitern eingeforderte Ausbildungsprinzip „Praxisorientierung“ als grundlegender Wert in den bildungswissenschaftlichen und fach-/berufsfelddidaktischen Seminaren der zweiten Phase der Lehrerbildung umgesetzt wird, kann unterschiedlich beantwortet werden. Für die Autoren hat sich in den zurückliegenden 8 Jahren ein Vorgehen bewährt, mit dem die zentralen beruflichen Kompetenzen angehender Lehrerinnen und Lehrer auch unter den Be-dingungen einer Verkürzung der zweiten Phase effektiv ausgebildet und entwickelt werden können. Dazu wird die knappe Seminarzeit konsequent nach den Prinzipien des didaktischen Doppeldeckers und des Modelllernens ausgestaltet. Dies bedeutet, die Seminare so zu planen und durchzuführen, dass möglichst alle Anforderungen an guten, d. h. lernwirksamen Unterricht unmittelbar vorgelebt und nicht (oder nur in Ausnahmefällen) durch belehrende Inputs vermittelt werden.

Am Beispiel der Planungskompetenz wird diese Idee – umgesetzt in einem schlüssigen Seminarkonzept mit immer wiederkehrenden Elementen – vorgestellt und die Evidenz der verwendeten Prinzipien und Instrumente verdeutlicht.

14:45

Nicolas Colsman (Zukunft Digitale Bildung)

Der virtuelle Seminarraum – Die Erfolgreiche Digitale Gestaltung der zweiten Phase

Zoom, Distanzunterricht, Schulcloud, Digitalpakt. Diese Worte sind seit Monaten in aller Munde. Schulen und Unterrichtskonzepte müssen digitaler werden heißt es von Seiten der Politik, der Medien, der Gesellschaft. Doch was bedeutet das eigentlich für die Lehrer*innen und Referendar*innen von denen jetzt erwartet wird, dass sie ihren Unterricht zeitgemäß gestalten sollen?

Diese Frage ist für die zweite Phase der Lehrerbildung besonders wichtig, denn genau hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Angehende Lehrer*innen müssen auf der einen Seite durch gut geschulte Ausbilder*innen anständig auf die digitalen Bedürfnisse von Gegenwart und Zukunft vorbereitet werden und auf der anderen Seite dazu in der Lage sein, ihr digitales Know-How an Schüler*innen weiterzugeben. Um das zu erreichen zeigen wir mit welchen digitalen Methoden der Unterricht - auch im virtuellen Seminar - effizient gestaltet werden kann. Dazu simulieren wir eine Unterrichtsstunde in der digitale Instrumente zum Einsatz kommen. Gleichzeitig legen wir Wert darauf, dass die Inhalte und Effekte des Präsenzunterrichts auch im virtuellen Raum erhalten bleiben.

Es ist die Herzensangelegenheit der gemeinnützigen Initiative Zukunft Digitale Bildung mit Lehrkräften und Ausbilder*innen gemeinsam die Herkulesaufgabe des digitalen Wandels anzugehen und langfristig die Scheu vor der Digitalisierung abzubauen. Ausbilder*innen sind die wichtigsten Multiplikatoren für die Gewährleistung zukunftsfähiger Unterrichtsmethoden über die Ausbildung hinaus. Hier müssen wir ansetzen, sodass angehende Lehrkräfte gut gewappnet und mit Freude an digitalen Konzepten den Schulalltag meistern können.

15:30

Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist

Wertesysteme, Wirkkraft und alternative Konzepte – bildungsmediale Anregungen zur praktischen Umsetzung im Seminar

Hat Deutschland die Digitalisierung verschlafen? Gibt die Coronapandemie der digitalen Bildung neuen Aufschwung? Solche Fragen lesen wir derzeit häufig in der Presse. Sie zeugen von dem starken Fokus in der Öffentlichkeit auf Technik und Infrastruktur. Auch die Suche nach geeigneten didaktischen Modellen für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien wird viel diskutiert. Aber – so die These dieses Beitrags – mit einem Fokus auf technische Infrastruktur und didaktische Modelle übersehen wir den möglichen Strukturwandel in Schule und Gesellschaft, der mit digitalen Medien einhergeht.

Der Beitrag führt erst in zwei Wertesysteme ein, die derzeit um die Möglichkeit ringen, die Schule der Zukunft zu prägen. In einem schwingt implizit das Ziel mit, eine „Übertragungskompetenz“ der Lehrenden zu entwickeln. Hier reagieren Lehrende auf die Digitalisierung indem sie möglichst viele digitale Medien sinnvoll einsetzen. Durch die Übertragung ihres herkömmlichen Unterrichts ins Digitale wird die Schule digitalisiert und Schülerinnen und Schüler entwickeln digitale Kompetenzen für die Zukunft.

Im zweiten Wertesystem schwingt das Ziel mit, eine „Veränderungskompetenz“ der Lehrenden zu stärken. Hier geht es um verschiedene Arten und Weisen (beispielsweise mittels konvivialer Technik, respektvollem Design, open source Software, oder postdigitalen Praktiken), mit denen Lehrende – bewusst oder unbewusst – durch den Einsatz digitaler Medien Unterricht, Schule und Gesellschaft mitgestalten und verändern.

Nach dieser Einführung in aktuelle Debatten werden Implikationen für die Praxis durch zwei konkrete Beispiele vorgestellt: Padlet und learning analytics. Im Fazit wird reflektiert, wie in der zweiten Phase der Lehrerbildung eine instrumentelle Nutzung digitaler Bildungsmedien vermieden und der Blick auf die Rolle der Schule bei gesamtgesellschaftlichen Transformationen eröffnet werden kann.

16:00

Diskussion

u.a. mit Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist

Fobizz
Kostenloser Zugang zum gesamten Online-Fortbildungsprogramm von Fobizz am 13. und 14. November für alle Teilnehmer*innen
#bak2020Seminartag